Sonntag, 29. November 2015

Danke Stefan Raab

Bald ist es soweit: Stefan Raab nimmt Abschied vom TV. Und ich bedauere und bewundere diese Entscheidung zutiefst!



Raab ist- meiner bescheidenen Meinung nach- einer der besten Entertainer, die dieses Land je zu bieten hatte.
Über viele Jahre schlichen sich seine Formate erfolgreich in die Medienlandschaft und dennoch wird wohl kaum jemand so kontrovers wahrgenommen.

Ist das Neid? Hat sich Raab tatsächlich immer auf Kosten anderer lustig gemacht? Oder war es ein Austesten aller Grenzen und Möglichkeiten, auf die Gefahr hin, dass jemand, der vieles macht auch eine Menge Fehler fabrizieren kann?

In den letzten Jahren konnte ich mehr und mehr beobachten, dass Stefan Raab viel respektvoller und menschlicher im direkten Umgang wurde und aus seinen Fehlern gelernt hatte- eine sehr gute Fähigkeit, die nicht allen gegeben ist, er hat sich immens weiter entwickelt. 

Und er hat weitere Talente erkannt und gefördert, die ohne ihn vielleicht niemals so weit gekommen wären. Raab als Förderer an seiner Seite zu haben- der oder diejenige konnte sich glücklich schätzen. Hat Stefan Raab doch neben seinen Talenten als Musiker und Moderator, Produzent, Regisseur und Komponist, Unternehmer und Mettbrötchenliebhaber doch auch eine sehr feine Nase für die Talente anderer, die er dann auf vielfältige Arten unterstützte.



Gute Güte, was hat dieser Mann alles ins Leben gerufen und erreicht? Ich habe seine Spielshows immer als große Hommage an die traditionellen Shows der 70er Jahre gesehen, die jedoch dem heutigen Zeitgeist innovativ und unterhaltsam angepasst wurden. Und die trotz aller gefühlten Werbestunden kurzweilig und "bekannt anders" waren (danke hier auch an mein Aufnahmegerät, welches die Möglichkeit bietet, unliebsame Werbung vorzuspulen).

Dann seine musikalischen Beiträge, die auf unterhaltsame Weise den Nerv von so vielen Menschen trafen- von kleinen Raabigrammen über Nummer 1 Songs, von "aus Quatsch mach` Kunst" bis zu einem 5. Platz mit einer Art Kauderwelsch- Song beim Eurovision- Song- Contest im Jahr 2000. Und immer wieder ein Blick zurück auf die 70er und 80er Jahre, katapultiert in die Gegenwart der 90er und 2000er Jahre, immer kurzweilig, unterhaltsam und exakt in die Zeit passend.

Politisch ebenfalls interessiert, und das auf erstaunlich neutralem Niveau, wurde dieser Stefan Raab dann sogar zum Moderator des Kanzlerduells im Jahr 2013. Respekt!

Irgendwie hat er für mich was von Quentin Tarantino... nur halt im Entertainment- Show- Bereich. Wen er gut findet, wird profitieren, ob diejenigen dann gänzlich unbekannt waren oder mediale Präsenz haben bzw. hatten- durch Raab erhielt man die Möglichkeit, diese Menschen anders zu sehen, in neuen Rollen, bei anderen Auftritten und Aufgaben.

In all den Jahren dazu auch die Konsequenz, sein Privatleben komplett außen vor zu lassen (abgesehen von den kleinen Momenten, in denen er z.B. die Geburt seiner Tochter verkündete), so etwas muss man erstmal durchziehen. Ich habe mich ab und zu tatsächlich gefragt, ob ein Stefan Raab auch mal zum Elternabend geht oder seine Kinder aus der KiTa/ Schule abgeholt hat.

Zugegeben, TV- Total wurde (rückblickend betrachtet) vermutlich von dem Moment an schlechter, als sich für Raab die Entscheidung zum aufhören abzeichnete- aber will ihm das vergönnt werden? Nein- weil ich verstehe, dass jemand, der aussteigen wird keine 100% mehr gibt. 14 Jahre, 4x pro Woche (abzüglich Sommer- und Winterpause), das ist eine Menge Arbeit- da darf man auch mal müde werden.

Und- auch da mache ich mir nichts vor- natürlich ist alles, was produziert wird, ein Riesengeschäft, in dem es um eine ganze Menge Geld geht. Aber lieber erlebe und unterstütze ich mit meinem TV- Verhalten einen unterhaltsamer Abend mit Stefan Raab, als die 25. Ausgabe einer billigst produzierten scripted- reality- pseudo- doku- soap, die viel mehr auf Kosten anderer Menschen ausgetragen wird, als es ein Stefan Raab jemals auch nur im Ansatz geschafft hätte!

Ja, ich werde Stefan Raab und seine Formate sehr vermissen, auch wenn die Nachfolge wohl irgendwie bereits fest steht- mit Joko Winterscheidt und Klaas Heufer- Umlauf bin ich mir sicher, dass diese Lücke langfristig geschlossen werden kann- die Beiden sind mindestens so polarisierend und innovativ, wie einst Herr Raab.

The show must go on, danke Stefan Raab! 

Ach ja, hier noch eine Auflistung seines Schaffens (externer Link zu Wikipedia)- und für alle Herausforderer: "Schlag den Raab"

TV- Total, Sport und weitere Sondersendungen

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