Sonntag, 14. Februar 2021

Fotografischer Schneespaziergang durch das urbane Witten

Der Winter hatte das Ruhrgebiet ausnahmsweise einmal fest im Griff. Zeit, um die Innenstadt einmal aus ganz anderen Perspektiven zu betrachten. 

 
 
Mein Hauptaugenmerk in dieser Serie liegt auf den verschneiten Kreuzungen und  Hauptverkehrsstraßen. Durch für unsere Verhältnisse enorme Schneemassen lag der Verkehr in diesen Tagen zum Großteil brach. Dadurch ergaben sich für mich recht nachdenkenswerte Motive. 
 

Braucht es tatsächlich so unfassbar viel Platz, um die Infrastruktur einer Innenstadt aufrecht zu erhalten? Hier der Blick auf die Husemannstr. Ecke Ruhrstr., normalerweise ein echter Staupunkt nach in alle Richtungen. 
 

Es folgt der Blick auf das Bahnhofsgebäude, 1849 war das Jahr der Eröffnung. Hier lohnt es sich, einen Blick hinein zu werfen, eine alte Dampflok namens "Friedrich" ziert die Bahnhofshalle und das anliegende Cafe ist im Stil eines alten, aber dennoch modernen Wartesaales eingerichtet. 

 
Wenige Meter weiter ein ähnlicher Verkehrsknotenpunkt, hier beginnt in Blickrichtung die Breite Str., nach rechts geht es in die Bahnhofstr., Wittens Fußgängerzone. Ich folge dem Weg nach links auf die Herbeder Str. unter der Eisenbahnbrücke hindurch.
 

Alltagsindustriekultur, auf der linken Seite befindet sich der Wittener Standort der "Deutschen Edelstahlwerke Specialty Steel", zigfach umbenannt und immer noch der größte Arbeitgeber Wittens. Für die Brückenkonstruktion lohnt ein Blick nach oben, zumindest, wenn man wuchtigen Stahlkonstrukten etwas abgewinnen kann.
 
 
Auf diesem Bild hat man den Kern der Innenstadt bereits verlassen. In Höhe der Oberleitung fährt bis heute Wittens einzige Straßenbahnlinie, die Linie 310, die Witten Heven durch die Wittener Innenstadt hin nach Bochum verbindet. Witterungsbedingt fuhren an diesem Tag keinerlei Busse, geschweige denn Straßenbahnen. Aber zurück Richtung Stadtkern. 


Zurück auf der Breite Str. wacht das Kriegerdenkmal Germania seit dem Tag der feierlichen Enthüllung am 20. September 1877 über den damaligen Königsplatz und heutigen Karl Marx Platz. Tatsächlich befand sich hier bis ca. 1945 ein echtes Nobelviertel um den Park mit der Statue. Park, Nobelviertel, Glanz und Gloria verschwanden allerdings ebenso wie die Reichsadler im Sockelbereich (letztere zu Recht). Es folgten Neubauten und ein Parkplatz. 


Vom Lev Hasharon Platz kommend erblickt man die Rückansicht des Wittener Rathauses. Mit Lev Hasharon, einem israelischen Landkreis, pflegt die Stadt Witten seit 1979 eine Partnerschaft.  
 

Die Johanniskirche wurde 1752 errichtet, die Pfarrkirche, aus der später die Johanniskirche hervor ging, wurde 1214 erstmals urkundlich erwähnt. Hier kreuzen sich die Hauptstr., welche in Blickrichtung zur Ruhrstraße wird, mit der Bonhoeffer- und der Wideystraße.


Der Blick über den Kornmarkt mündet bei den Türmen des Rathauses und der Johanniskirche. Mit einer Verzögerung, verursacht durch den 1. Weltkrieg, wurde der damalige Neubau des Rathauses 1926 fertig gestellt. Die Anbauten folgten später. Der Rathausturm ist eigentlich bis heute nur eine provisorische Kupferkuppel, der Vorschlag einer 5 Meter hohen Statue war zum damaligen Zeitpunkt schlicht zu teuer.

 
Mit der Aussicht auf die Ardeystraße hat der Rundgang begonnen und so soll er enden. Ein kleiner, kultureller Knotenpunkt der Stadt und die symbolträchtige rote Ampel in Zeiten von Corona. Auf der Ecke zur Oberstraße befindet sich das "Maschinchen Buntes", die hiesige Musik- und Kulturwirtschaft und nach rechts geht es zur "WERK°STADT Witten", dem größten Jugend- und Kulturzentrum der Stadt.

Donnerstag, 31. Dezember 2020

Jahresrückblick 2020 zum XXten

2020, was für ein seltsames, verrückten und unwirkliches Jahr...

Und weil wir so ein faszinierendes Völkchen von Meckerer*innen und Nörgler*innen sind (ist das richtig so mit den ** jetzt? Ich weiß ja nie, was gerade so politisch korrekt ist) lasse ich es mir in meinem ganz persönlichen Jahresrückblick nicht nehmen, ein bisschen mit der Fahradkette zu spielen.


Also los mit „Hätte, hätte...“, ein Gedankenspiel:

Natürlich befinde auch ich mich in meiner ganz persönlichen Blase. Geprägt von Pragmatismus, gewillt, Entwicklungen wahrzunehmen und bestrebt, mit Veränderungen klar zu kommen, für die es gerade keine andere Lösung gibt, als sie anzunehmen und damit zu leben. Aber auch dankbar für das, was ich habe und dafür, dass ich in diesem System leben darf, während in anderen Systemen Menschen für ihre bloße Meinung hingerichtet werden können, in unwürdigen Unterkünften bei Schnee und Kälte hausen müssen, zusehen müssen, wie ihre Liebsten gefoltert, vergewaltigt und umgebracht werden.

Was hätte ich getan, wenn ich in einer dieser unliebsamen Rollen der Entscheidungsträger im Umgang mit der Pandemie gewesen wäre?  

Nun, ja, zunächst hätte ich versucht, alle Wissenschaftler an einen Tisch zu bringen und ihnen tatsächlich aufmerksam zugehört. Selbst wenn ich in einem vorherigen Leben vielleicht ein*e führende*r Epidemiolog*in (ich übe das noch) gewesen wäre, zum Beispiel so um die spanische Grippe herum: Da gab es schon weitreichende Entwicklungen bis heute, Erkenntnisse und Erfahrungen, aus denen man durchaus Lehren hätte ziehen können...
Diesem Rat nun, den ich dann als Konsenz aus allen Aussagen gezogen hätte, wäre ich gern gefolgt, mit allen Konsequenzen. Weil diese Leute wissen, wie so ein Virus tickt. Weil eine Inzidenz kleiner als 35 nicht mal eben hochgeschraubt werden sollte, denn gerade dadurch haben wir ja jetzt den Salat. Und ja, natürlich hatte ich auch die leise Hoffnung, dass Corona dann im Sommer einfach verschwindet.

Aber: ich hätte jede Lockerung kleinschrittig vorgenommen, also alle 14 Tage überprüft, und trotz Hoffnung den Prognosen für die 2. Welle Glauben geschenkt, man muss sich doch nur mal eine halbe Stunde Zeit nehmen und den groben Verlauf der spanischen Grippe betrachten. Ist das denn wirklich zu viel verlangt, aus so einer Entwicklung die logischen Schlüsse zu ziehen?
Und wenn dann in einer Kommune die Zahlen gestiegen wären, hätte es einen mehrstufigen Plan gegeben, der die Maßnahmen beschreibt, die dann gelten- sofort und ohne Ausnahmen, ohne Zögern und ohne Abwarten.

Ich hätte staatliche Hilfen an Bedingungen geknüpft, die die Eckpunkten Solidarität und langfristigen, verbindlichen Klimaschutz inne gehabt hätten. Frankreich hat da einen guten Vorreiter gemacht.

Und ja, ich hätte in den Schulen die gleichen Regeln gelten lassen wie in jedem anderen Bereich auch! Vielleicht hat ein kleiner Mensch auch eine kleinere Virenlast zu verbreiten, aber kleine Menschen sind eben nicht immun- warum auch, Mensch ist Mensch!

„Hammer and Dance“ mag funktionieren, aber nur, wenn nicht landesweit, sondern sofort auf kleinster, kommunaler Ebene gehandelt wird- und wenn die empfohlenen Inzidenzien eingehalten werden.

Es gibt noch viele kleine und große Dinge, die viele von uns anders gemacht hätten- bei manchen wären wir dann tatsächlich in einer Diktatur gelandet, bei vielen wäre vieles besser gewesen, aber so ist es nur ein kleines Gedankenspiel zum Jahreswechsel, welches ich gern weiter reiche: 

Was hättest Du anders gemacht?

Zum Abschluss noch 2 Gedichte, das kürzere als Einstimmung zuerst und aus diesem Jahr, das 2. ca. 100 Jahre alt und aktueller denn je.

Die Corona Lehre 
von Thomas Gsella:

Quarantänehäuser spriessen,
Ärzte, Betten überall,
Forscher forschen, Gelder fliessen –
Politik mit Überschall.
Also hat sie klargestellt:
Wenn sie will, dann kann die Welt.
Also will sie nicht beenden.
Das Krepieren in den Kriegen.
Das Verrecken vor den Stränden.
Und das Kinder schreiend liegen. 
In den Zelten, zitternd, nass.
Also will sie. Alles das.


Und hier von 1920, Autor unbekannt, erschienen im Nebelspalter, Ausgabe 10 im 46. Erscheinungsjahr, 06. März 1920, einzusehen auf der ETH Zürich (Link unten angefügt):

Die Grippe und die Menschen

Als Würger zieht im Land herum
Mit Trommel und mit Hippe,
Mit schauerlichem Bum, bum, bumm,
Tief schwarz verhüllt die Grippe.
Sie kehrt in jedem Hause ein
Und schneidet volle Garben -
Viel rosenrote Jungfräulein
Und kecke Burschen starben.

Es schrie das Volk in seiner Not 
Laut auf zu den Behörden:
„Was wartet ihr? Schützt uns vorm Tod -
Was soll aus uns noch werden?
Ihr habt die Macht und auch die Pflicht -
Nun zeiget eure Grütze -
Wir raten euch: Jetzt drückt euch nicht.
Zu was seid ihr sonst nütze!
‚s ist ein Skandal, wie man es treibt.
Wo bleiben die Verbote?
Man singt und tanzt, juheit und kneipt.
Gibt‘s nicht genug schon Tote?“
 
Die Landesväter rieten her
Und hin in ihrem Hirne.
Wie dieser Not zu wehren wär‘,
Mit sorgenvoller Stirne:
Und sieh‘, die Mühe ward belohnt.
Ihr Denken ward gesegnet:
Bald hat es, schwer und ungewohnt,
Verbote nur geregnet.
 
Die Grippe duckt sich tief und scheu
Und wollte sacht verschwinden -
Da johlte schon das Volks aufs Neu‘
Aus hunderttausend Münden:
„Regierung, he! Bist du verrückt -
Was soll has alles heißen?
Was soll der Krimskrams, der uns drückt,
Ihr Weisesten der Weisen?
Sind wir den bloß zum Steuern da,
Was nehmt ihr jede Freude?
Und just zu Fastnachtszeiten - ha!“
So gröhlt und tobt die Meute.
„Die Kirche mögt verbieten ihr,
Das Singen und das Beten -
Betreffs des andern lassen wir
Jedoch nicht nah uns treten!
Das war es nicht, was wir gewollt.
Gebt frei das Tanzen, Saufen.
Sonst kommt das Volk - hört, wie es grollt,
Stadtwärts in hellen Haufen!“
 
Die Grippe, die am letzten Loch
Schon pfiff, siie blinzelt leise
Und spricht: „Na endlich - also doch!“
Und lacht auf häm‘sche Weise.
„Ja, ja - sie bleibt doch immer gleich
Die alte Menschensippe!“
Sie reckt empor sich hoch und bleich
Und schärft aufs neu die Hippe.

Quelle: Die Corona Lehre 

Macht für Euch persönlich aus dem, was vor uns liegt ein wundervolles 2021
und bleibt gesund!


Dienstag, 14. April 2020

Lichtmalerei in der Glaskugel

An ein paar verregneten Tagen habe ich in den letzten Wochen ein wenig mit der Glaskugel experimentiert. 

Das mit dem Hellsehen klappt bei mir nicht wirklich gut, dafür erstelle ich mit Hilfe der Glaskugel lieber für mich ansprechende Bilder- und da sind im Bereich der Fotografie tatsächlich keine Grenzen vorhanden. Glaskugelbilder funktionieren mit ausgewählten Motiven sowohl Indoor als auch Outdoor, bei Tag, bei Nacht- ob Lightpainting oder Landschaft- viele Motive bekommen durch den Blick in die Kugel ein gewisses Etwas.


Ich habe mich bei dieser Serie für die Indoor- Variante und die Lichtmalerei entschieden.


Ein kleiner Blick hinter die Kulissen: Für solche Bilder braucht es einen großen Spiegel, mindestens eine Glaskugel, einen abgedunkelten Raum, LED- Leuchmittel, ein Stativ und die Langzeitbelichtung an der Kamera.

Es gibt viele, sehr gute Tutorials im Netz, deshalb spare ich mir eine ausführliche Beschreibung der Umsetzung, als Suchbegriffe seien folgende empfohlen: Lensball, Lightpaining, und Tutorial oder auf deutsch Glaskugel, Lichtmalerei und ebenfalls Tutorial. Dort findet bestimmt jeder das richtige für sich.


Die Sichtweise bei diesen Bildern ist im Original gehalten, d.h. weder die Kugel noch das komplette Bild wurde gedreht. Der Blick in die Glaskugel führt zu einer Drehung des Bildes, so wie bei einer Lupe. Das nur zur Info.


Was ich persönlich sehr an der Glaskugel mag ist die Brillanz, die in den Bildern zu sein scheint, ebenso eine Klarheit, bei der dann tatsächlich etwas magisches enthalten sein mag.


Achja- noch ein bisschen Reklame: Wenn Du meinen Blog und/ oder meine Bilder magst, dann fühl` Dich eingeladen:
Für Bandfotografie und künstlerische Bilder in Farbe und schwarzweiss sowie bei Tag und bei Nacht findest Du mich unter 1acoolart auch bei instagram.
Für Naturfotos, Makroaufnahmen und alles, was mit meinem Garten zu tun hat bin ich unter 1acoolgardening dort zu finden.


 

 



Freitag, 20. März 2020

Chancen in Zeiten der Krise

Corona ist in aller Munde, doch kann eine solche Krise nicht auch eine Chance sein?


Viele haben sich schon damit auseinandergesetzt während andere noch verzweifelt nach kurzfristigen Lösungen suchen- die Lösung von sehr vielen Menschen wird derzeit in einem temporären, bedingungslosen Grundeinkommen gesehen.
Die Forderung danach werden lauter. Sogar tatsächlich für alle und nicht nur für alle Kleinunternehmer, Selbstständige, Künstler, Kreative, Minijobber, Hartz 4- Empfänger, Sozialhilfeempfänger und viele mehr. 

Die einzige Bedingung (ja, ich weiß- bedingungslos... aber...) müsste die sein, dass sich alle, die zur Aufrechterhaltung der Infrastruktur beitragen und vielleicht auch neu dazu stoßen, ebenso temporär dazu verpflichten, nicht aus dem Grund plötzlicher anderweitigen Einkünfte ihren Job hinzuschmeißen (wobei ich grundsätzlich davon ausgehe, dass dies nur die wenigsten tun würden).

Es gibt mittlerweile mehrere Petitionen, die auch bereits 100.000fach unterzeichnet wurden- können sich wirklich so viele so sehr irren oder steckt in den Aussagen, dass dies nicht möglich sei, nur die schlichte Angst vor einer völligen Umstrukturierung unseres bisherigen, wirtschaftlich so stark geprägten Systems? Seht es als Chance, als mögliche Bereicherung und als Weiterentwicklung unserer sozialen Gesellschaft!

Finanzierbar wäre es und seien wir ehrlich- die Menschheit des gesamten Planeten kämpft derzeit gegen diesen kleinen, unsichtbaren Feind namens Corona/ COVID19. So gut wie jedes Land ist betroffen, so gut wie jedes Land sucht verzweifelt nach einer Lösung.

Wenn nicht jetzt, wann wäre dann der ideale Zeitpunkt, dieses bedingungslose Grundeinkommen zu testen- gefordert sind 6 Monate, warum nicht 12?
Ein Jahr Pause für die Welt, wie wir sie kannten- ein Jahr Chancen um zu schauen, was passiert, um die Welt umzugestalten, zu erneuern und besser zu machen.

Wie viele von uns würden sich wohl freuen, mehr Zeit für karitative und kreative Aufgaben zu haben, andere zu unterstützen? Wir wissen es nicht, sehen jedoch, dass die derzeitige Solidarität nicht nur in Deutschland zugenommen hat- das muss so bleiben und darf nicht durch den Faktor "Geld= mein persönlicher Überlebenskampf" zerstört werden.

Und alle, denen ein bedingungsloses Grundeinkommen nicht zur Bestreitung des Lebensunterhaltes ausreicht, werden weitermachen wie bisher- und das in allen Bereichen- nur werden sich so manche Arbeitgeber plötzlich mit Begriffen wie Wertschätzung auseinander setzen müssen- nicht der schlechteste Ansatz wie ich finde.

Auch ich könnte alleine von einem bedingungslosen Grundeinkommen nicht leben- aber ich könnte mir damit langfristig ein wenig mehr Freizeit leisten, die ich wiederum anderweitig investieren würde- bei mir für Umweltschutz, Kunst und Kreativität. Wie viel davon könnte im weiteren Verlauf von so vielen entstehen, wir hätten endlich wieder die Möglichkeit, uns auf die menschlichen und wirklich wichtigen Dinge im Leben zu konzentrieren.

Die Globalisierung in Sachen Vernetzung, Kommunikation und des gemeinsamen Austausches ist so wertvoll und eine der größten Errungenschaften in den letzten 30 Jahren. Die Globalisierung zur Ausbeutung, zur Auslagerung von Produktionsstätten, zur immer weiteren Verramschung von Gütern ist eine Katastrophe, die nun nicht nur sichtbar wird, sondern uns gerade in der Medizin massenhaft um die Ohren fliegt. 

Ebenso verdeutlicht diese Krise alle Missstände, die in den unterschiedlichsten Berufsbildern seit langem kritisiert wurden, allen voran die sozialen Bereiche, in denen es um den Menschen, seine Pflege und seine Gesunderhaltung geht. Hier werden sich am deutlichsten die Änderungen zeigen, da die Kräfte, die in diesen Bereichen tätig sind, schon seit langer Zeit unter immer desolateren Bedingungen arbeiten müssen.

Ich wünsche mir inständig, dass dieses Land voranschreitet und die Idee des Grundeinkommens ausprobiert, um wahrscheinlich irgendwann das Fazit zu ziehen "Das war eine richtige und gute Entscheidung".

Ich verlinke hier nur die erste Petition, die mir begegnet ist, weitere gibt es, mit unterschiedlichen Ansätzen, der Grund in der Entscheidung für die von Tonia Merz liegt schlicht darin, dass es für alle gefordert wird und meiner Meinung nach so am unbürokratischsten umgesetzt werden könnte. 

Hier geht es zur Petition von Tonia Merz: 
"Mit dem bedingungslosen Grundeinkommen durch die Corona- Krise".

Sonntag, 29. Dezember 2019

Gedanken zum Jahreswechsel anhand des so genannten Klimapaketes

2019 neigt sich dem Ende zu- Zeit für einen kleinen Rückblick und ein paar Gedanken. 

Der zweite heiße Sommer in Folge. Mit Dürre, toten und sterbenden Bäumen, globalen Waldbränden in einem Ausmaß, welches wir lange nicht so konzentriert erlebt haben, einem Klimapaket, welches seinen Namen meiner Meinung nach nicht verdient hat und einer Konzentration auf polarisierende Themen, die lediglich dazu führen, dass sich dieses Land mehr und mehr entzweit.

Ent-Täuschung

Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr komme ich leider zu dem Schluss, dass eine verantwortungsvolle Politik im Sinne der so genannten "Bevölkerung" (also der Menschen!!!) augenscheinlich nicht mehr möglich ist. Keine neue Erkenntnis, keine Frage, aber immer noch war ich in dem guten Glauben, dass sich schon alles finden wird. Naja, wie heißt es so schön? Das Ende der Täuschung hat auch mich erreicht. Ich wurde ent-täuscht. Nicht, dass ich darüber traurig wäre, im Gegenteil, eine Enttäuschung gibt ja eigentlich nur Preis, was wahrlich zu verbergen versucht wurde. Und daher bin ich fast schon dankbar für die Demontage auf so vielen Ebenen, die ich im letzten Jahr beobachten konnte.

Tempolimit?

Da wird als einziges Land innerhalb Europas beschlossen, dass ein Tempolimit nicht eingeführt wird. Hier lege ich den Umweltaspekt mal kurz beiseite und konzentriere mich einzig auf den Wert des menschlichen Lebens: Wie verantwortungslos ist ein Politiker, wenn er den Verlust menschlichen Lebens fast schon als Kollateralschaden hin nimmt? Und wenn nur ein Leben gerettet werden kann, welches nicht unverschuldet durch einen anderen Fahrer ausgelöscht wird, so ist das verdammt noch einmal Grund genug, es den anderen Ländern gleich zu tun und mitzuziehen. "Raser" wird es immer geben, ob mit oder ohne Tempolimit, aber ist es ethisch, moralisch und vor allem menschlich noch zu unterstützen indem ein Tempolimit abgelehnt wird?

Erhalt statt Wachstum

Was hätte unser Land für Chancen wenn nicht Machterhalt und Wirtschaftswachstum so im Vordergrund stehen würden... Es wären fantastische Möglichkeiten, die sich bieten würden. Hier kurz eine Erläuterung meiner persönlichen Meinung: Ich bin für einen Erhalt des Standarts, ausbaufähig wären natürlich und selbstverständlich die sozialen Bereiche auf allen Ebenen (Pflege, Krankenhäuser, Schulen, KiTas, soziale Institutionen für obdachlose Menschen, für behinderte Menschen, die Teilhabe aller Menschen, egal welcher Herkunft und alle weiteren), ich bin aus diversen Gründen nicht für ein permanentes Wirtschaftswachstum- das führt in der Regel irgendwann zum Kollaps. Aber ich bin für die Entwicklung von innovativen Lösungen, die zu einem nachhaltigen und glücklichen Miteinander führen können, welches Mensch, Natur und Umwelt in Einklang bringt.
Das Geld wäre da, spätestens wenn es nicht mehr um Gewinnmaximierung gehen würde.

Umverteilung

Eine sinnvolle Umverteilung von Geldern wäre eine gute Möglichkeit, um gemeinsam langsam und nachhaltig in eine bessere Zukunft zu gehen. Subventionen für umweltschädigende Industrien können von Jahr zu Jahr reduziert werden, zugunsten der Industriezweige, die sich als nachhaltig und umweltschützend erweisen. Jeder Betrieb kann sich so während des Zeitfensters Gedanken um die Möglichkeiten des Wandels in seiner Firma machen. Konventionelle Landwirte hätten Zeit sich dem ökologischen Anbau zuzuwenden, Massentierhaltung könnte endlich Geschichte werden. Auch sollte die regionale Produktion stärker in den Fokus gerückt werden. Die globale Vielfalt, die z.B. in den Obst- und Gemüseregalen zu finden ist mag verlockend sein, doch es gibt eine Vielzahl heimischer Superfoods, die mehr und mehr innerhalb kürzester Zeit in Vergessenheit geraten sind... Nur weil wir meinen, dass wir immer wieder etwas neues benötigen würden. Neu wäre mittlerweile aber tatsächlich das Alte wieder zu entdecken, insbesondere in Bezug von regionalem und vor allem saisonalem Obst und Gemüse- und dies zu fairen Preisen, während Importprodukte massiv im Preis steigen sollten- und zwar abhängig von ihrer Herkunft, ihrer Produktionswege und den fairen Löhnen für die Landwirte in den jeweiligen Regionen.

Textilindustrie

Gleiches sollte für Kleidung gelten- ein Land wie unseres kann und darf es sich nicht weiterhin leisten, den Verkauf von Billigtextilien unter den gegebenen Umständen weiterhin zu gestatten. Ja, Kleidung muss für jeden Geldbeutel erschwinglich sein, aber darf es dies unabhängig davon, welches Leid dafür anderorts unterstützt wird? Und auch hier könnte ein Preisanstieg im Rahmen der Transportkosten und zugunsten der Löhne in den jeweiligen Betrieben eine Möglichkeit sein, um die Aufmerksamkeit wieder mehr in unser Bewusstsein zu transportieren. Auch ist es zwingend erforderlich, dass die Herstellung und die Herkunft in Hinblick auf die Arbeitsbedingungen hin überprüft werden- und wenn diese mit den aktuellen Menschenrechtskonventionen nicht in Einklang zu bringen sind, dann ist so ein Handel nicht zu gestatten. Hört sich zugegeben  radikal an, aber ich fürchte, dass uns allen ein wenig der Blick verloren geht- der Blick auf Werte, sowohl menschlich als auch materiell.

Zeit und Geld- verkehrte Welt

Wir alle klagen über zu wenig Zeit, doch wofür geben wir diese aus? Was ist in den letzten Jahrzehnten dazu gekommen? 24- Stunden Fernsehen, Handy, Internet, soziale Netzwerke... Haben wir alle wirklich keine Zeit mehr, um z.B. unsere Lebensmittel selbst zu verarbeiten? Ein weiterer Punkt, den ich zunehmend nicht verstehe. Warum ist z.B. Mehl billiger als das Korn aus dem es gewonnen wird? Da kostet ein Kilo Bio- Mehl Typ 550 0,95€ während das volle Korn Weizen, also unverarbeitet, im Kilo bei 1,45€ liegt (gleiche Marke wohlgemerkt). Für mich eine verkehrte Welt.

Fridays for Future und die Möglichkeiten

Hauswirtschaft und kochen waren mal Schulfächer- was wäre so falsch daran, diese wieder zu etablieren? Will ich damit zurück in die Steinzeit? Mitnichten, nehme ich die Chancen der Fridays for Future- Bewegung als Anstoß:
Mal angenommen, wir würden die Gedanken der Schülerinnen und Schüler ernst nehmen: Könnte sich ein Lehrplan nicht dahingehend entwickeln, dass dem angewandten Lernen ein größeres Zeitfenster eingeräumt wird? Montags- Donnerstags Unterricht nach klassischen Vorgaben und Freitags die praktische Anwendung. Derzeit sind dies noch die FFF- Demonstrationen/ Streiks, wie immer man sie nennen mag, mit dem Hintergrund, gemeinsam für eine bessere Umwelt einzutreten.
Wir haben alle gelernt, dass sich Erinnerung und Gelerntes durch eine praktische Anwendung wesentlich fester verankern, als dies ein bloßes theoretisches Lernen kann. Im Rahmen von angewandtem Lernen könnte z.B. in Erdkunde das Thema Klimaentwicklung aufgegriffen werden während in Physik die Möglichkeiten der unterschiedlichen Energiegewinnung durchgenommen werden. In Kunst würden Plakate, Banner etc. erstellt und in Biologie könnte sich mit den diversen Ökosystemen beschäftigt werden. In Politik kann die Rechtslage behandelt werden: Streik- und Demonstrationsrecht. Freitags wird dann auf die Straße gegangen. Spinne ich diesen Ansatz weiter, so könnten sich pro Jahrgang Schwerpunktthemen etablieren, die durchaus mit dem Lehrplan konform gehen und gleichzeitig an einem Wochentag praktisch erlebbar gemacht werden (in diversen Ausbildungsgängen gibt es ja z.B. bereits einen Praktikumstag/ Woche). Damit würde FFF, sobald nicht mehr erforderlich, durch einen solchen Tag ersetzt werden. Dies könnte mit Exkursionen gefüllt sein oder mit gemeinschaftlichen Aktivitäten zu den behandelten Themen. In meiner Vision müsste dies realisitisch 2x/ Monat umsetzbar sein. An den anderen beiden Wochentagen (= 4 Wochentage/ Monat) könnten lebenspraktische Themenschwerpunkte gesetzt werden: Social Media, Kochen, Hauswirtschaft, Zeit- und Streßmanagement, Gärtnern u.v.m. Pro Jahrgangsstufe könnte so altersentsprechend "für das Leben gelernt werden". Hätte mir während meiner Schulzeit bestimmt mehr Spaß gemacht und somit auch mehr Motivation in mir geweckt. 

Nur Strom und Sprit ist zu wenig 

Wie also passt es in ein so genanntes Klimapaket, dass dort fast ausschließlich die Themen Strom und Sprit vorkommen?
Ich glaube, dass dies schlicht daran liegt, um die Menschen zu polarisieren und zu benutzen. Kosten für Strom und Sprit sind die Ausgaben, mit denen ganz viel Wut erzeugt werden kann- auch bewusst gesteuert. Und jemand, der seine Macht behalten mag, der scheut sich nicht wirklich, seine Konkurrenz mit allen Mitteln klein oder gefährlich zu reden.
Wie waren noch die Worte, dass der Mittelstand nicht zu sehr belastet werden darf? Und was ist passiert?
Wo werden Luxusgüter teurer, wo bleiben die, die bislang schon weitestgehend nachhaltig leben, nur leider in einer Mietwohnung und angewiesen auf den PKW? Das derzeitige Klimapaket ist für die einen ein Witz und für nachhaltig lebende Menschen ein Schlag in die... In jedem Fall viel zu wenig, viel zu sehr auf 2 Kernpunkte reduziert und mehr als ausbaufähig.


2020

Ja, ich bin ent-täuscht, aber auch dankbar dafür. Und ich hoffe weiterhin darauf, dass viele andere in ihrer Enttäuschung nicht blind werden und meinen eine so genannte "Alternative für wen auch immer" wäre auch eine echte. Und ich wünsche allen, die für eine bessere Umwelt einstehen, dass wir den längeren Atem haben!  2020 darf gerne besser werden!